„Die Schicksale der Menschen in der Katastrophenregion haben mich wirklich tief berührt“, erzählt Benno Riehl. Viele der von dem Unwetter Betroffenen hätten alles verloren. Unzählige Häuser seien stark beschädigt, andere Gebäude hätten die Fluten komplett weggerissen.

Die Eindrücke aus dem Einsatz im Ahrtal beschäftigen Riehl. Er war weltweit schon mehrfach für I.S.A.R. Germany in Katastrophenregionen im Einsatz, so in Nepal, Mexiko und Indonesien. Doch diesmal war es anders. Diesmal lag das Katastrophengebiet sozusagen direkt vor seiner Haustür. Er kommt aus Lehmen, nur 70 Kilometer von Ahrweiler entfernt. „Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, den Menschen auch hier zu helfen“, so Riehl. Nur kurze Zeit nach der Katastrophe schnappte er sich seinen grünen Traktor und einen Hänger und fuhr los. Gemeinsam mit den anderen Teammitgliedern von I.S.A.R. Germany packte er an. Alle hatten sich für diesen Einsatz Urlaub genommen, sich unbezahlt freistellen lassen oder wurden von ihrem Arbeitgeber für den Einsatz mit vollem Lohn freigestellt.

Das Team von I.S.A.R. und BRH hatte sich in Ahrweiler der Technischen Einsatzleitung (TEL) unterstellt und bekam von dort seine Aufträge. Die Hauptaufgabe war, gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen, die Innenstadt von Ahrweiler wieder zugänglich zu machen. Die Helfer kämpften sich durch Schlamm und die Unmengen an Schutt und Müll, die die Flut in den Straßen von Ahrweiler hinterlassen hatte. Tonnenweise fuhr Benno Riehl den Unrat aus der Stadt. „Das war absolute Teamarbeit!“, so Riehl und verweist dabei auf die kräftezehrende Arbeit jedes einzelnen Helfers. Zum Glück hatten wir hervorragende Partner, die uns schwere Technik zur Verfügung gestellt haben. Die Firma Leonhardt Weiss aus Göppingen rückte mit Bagger, Radlader und LKW an, die Bundeswehr schickte geländegängige LKW, auch das Technische Hilfswerk (THW) half. „Nicht zu vergessen der örtliche Reifendienst“, ergänzt Anja Hoche, die den Einsatz mit organisierte. „Bei Reifenschäden haben die unkompliziert und kostenlos geholfen.“ Sie beschreibt damit etwas, was die Tage des Einsatzes in Ahrweiler besonders auszeichnete: Die Kameradschaft und die Hilfsbereitschaft.

Dazu gehörte auch, dass Studierende der Hochschule der Polizei in Rheinland-Pfalz das I.S.A.R. Team unterstützten. Mehrere Landwirtschafts- und Forstbetriebe boten ihre Hilfe an. Sogar eine Fußballmannschaft packte mit an.

In all dem Katastrophenchaos gab es aber auch diesen berühmten „Augenblick“, in denen die Tragik der Katastrophe ein kleines Stück in den Hintergrund rückte. Während ihrer Aufräumarbeiten in der Stadt sehen die Helfer in einem Gang einen Mann, der sich mit einem Klavier abmühte. Sie halfen ihm dabei, das Klavier vor die Tür zu bringen. Es war bei der Flut nass geworden und sollte deshalb verschrottet werden. Doch die Straße wird für das Klavier noch einmal zur großen Bühne. Das Klavier erklingt noch einmal und es wird gesungen. Das Video dazu sorgt in den Sozialen Medien für Aufmerksamkeit und die Helfer werden diese Minuten wohl nicht vergessen.

Doch der Einsatz lässt Benno Riehl nachdenklich zurück: „Die Koordination der Hilfskräfte vor Ort hat mich fassungslos gemacht. Im Grunde hat diese versagt. Da gibt es meiner Meinung nach noch sehr viel Luft nach oben.“ Ahrweiler war nicht der einzige Einsatzort von I.S.A.R. Germany. Im nordrhein-westfälischen Erftstadt musste mit Rettungshunden in teilweise eingestürzten Häusern nach Menschen gesucht werden. Außerdem wurde durch unsere Baufachberater die Stabilität der Häuser und des Untergrundes in der Nähe einer gefluteten Kiesgrube überprüft. In Stolberg kontrollierten unsere Baufachberater gemeinsam mit Experten des Ingenieurbüros Rückert und des Tiefbauamtes der Stadt über 20 Brücken. Im Einsatz war auch das Drohnenteam der BRH Rettungshundestaffel Märkisches Sauerland.

„Ich bin stolz auf unser Team“, erklärte die I.S.A.R. Vorsitzende Dr. Daniela Lesmeister. „Was in den letzten Tagen durch unsere Helfer geleistet wurde kann nicht genug gewürdigt werden. Für jeden von uns war es wichtig, für die Menschen in der Katastrophenregion da zu sein und unser in den vielen internationalen Katastropheneinsätzen gesammeltes Wissen, hier einzubringen.“

 

Benno Riehl half bereits in Indonesien und anderen I.S.A.R.-Einsatzgebieten. Mit seinem Traktor unterstützte er dieses Mal im Katastrophengebiet vor der eigenen Haustür. Foto: I.S.A.R. Germany/ Stefan Heine

 

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